Die Märkte wählen früher
Abzuwarten, bis die Wahl vorbei ist, kann vernünftig wirken. Es wird ein Ergebnis geben, und Anleger können danach entscheiden, wie es weitergeht. Doch die Märkte warten selten auf diese Klarheit. Wenn die Stimmen ausgezählt sind, spiegeln die Kurse oft schon einen grossen Teil dessen wider, worauf Anleger gewartet haben.
Daran lohnt es sich nach den US-Zwischenwahlen vom 3. November 2026 zu erinnern. Die Geschichte hält eine bemerkenswerte Beruhigung bereit: Der S&P 500 stand nach jeder Zwischenwahl von 1950 bis 2022 zwölf Monate später höher, im Schnitt um rund 15%. Aufschlussreicher ist jedoch, was auf dem Weg dorthin geschah.
Die Erholung beginnt oft vor der Wahl
Zwischenwahljahre waren für Aktionäre meist unruhig: Die täglichen Kursschwankungen fielen grösser aus als in anderen Jahren. Doch ein unruhiger Markt muss kein fallender sein. Die durchschnittliche Erholung setzte rund 22 Handelstage vor dem Wahltag ein, und der Oktober brachte in Zwischenwahljahren seit 1950 im Schnitt ein Plus von 3,0%. Wer auf das Ergebnis wartet, könnte einen Teil dieser Erholung verpassen.
Die Jahre 1982 und 2018 zeigen, wie unterschiedlich der Weg zu einer positiven Rendite sein kann. 1982 lief die Rally bereits vor der Wahl, getragen von sinkenden Zinsen. 2018 fielen die Kurse nach der Wahl weiter bis zum Jahrestief im Dezember – das Wahlergebnis hatte die Sorge um die Wirtschaft nicht aufgelöst. Dieselbe positive Bilanz, zwei gegensätzliche Timing-Risiken.
Das Ergebnis 2026, demokratische Mehrheiten in beiden Kammern, ist nun ein neuer Test für dieses Muster. Die erste Reaktion war unruhig, doch die Frage für Anleger lautet nicht, wer gewonnen hat, sondern welche Veränderungen bereits in den Kursen stecken.
Kurzfazit
Die Geschichte gibt Anlegern guten Grund, sich nicht zurückzuziehen, bis sich die Politik ruhiger anfühlt. Sie gibt deutlich weniger Grund, zu kaufen, nur weil eine Zwischenwahl vorüber ist. Wahlen können politische Erwartungen über Nacht verändern, aber sie entscheiden nicht über Gewinne, Zinsen und Bewertungen – und davon hängen langfristige Renditen ab.
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