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Smart Money: Was können Investoren daraus lernen?

Der Aktienmarkt als Spielwiese für Privatanleger – befeuert von Politikern und Smart Money

Die Finanzmärkte entwickeln sich weiter positiv und das Sentiment spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Anlegen ist eine Geldmaschine – entsprechend möchten alle daran teilhaben. Seit der COVID-19-Pandemie prägen Privatanleger die Märkte zunehmend und ihre Anlageentscheide orientieren sich häufig am Sentiment, an Reddit-Beiträgen, an FinTwit-Kommentaren zu Engpässen im KI-Bereich und neuerdings auch an den Käufen und Verkäufen von Politikern. Inzwischen sind sogar «Autopiloten» entstanden, welche die Transaktionen von Politikern nachbilden. Auch die Kurse einzelner Aktien können nach der Bekanntgabe solcher Transaktionen deutlich steigen. Ein Beispiel dafür sind Mastercard und Visa, deren Aktien zulegten, nachdem Donald Trump grössere Käufe in beiden Unternehmen öffentlich gemacht hatte.

In einem Umfeld völliger Unsicherheit ist es verständlich, dass alle einem «Opinion Leader» folgen möchten. Doch haben diese wirlich recht? Gibt es belastbare Evidenz dafür, dass man mit dem Nachahmen von «Smart Money» oder von Transaktionen von Politikern tatsächlich zum erfolgreichen Investor wird?

Wir gehen dieser Frage in diesem Beitrag nach und untersuchen, welchen externen Signalen man folgen sollte und welche eher PR und Hype sind. Letztere können schnell verschwinden – zurück bleibt dann ein schwaches Unternehmen im Portfolio, gekauft auf ein aufgeblasenes Kaufsignal eines Politikers oder Grossinvestors hin. Wir konzentrieren uns auf drei relevante Bereiche: Insider-Transaktionen, grosse institutionelle Investoren und Politiker. Das Thema ist komplex, weshalb die Schlussfolgerungen nicht immer eindeutig ausfallen. Mit einem klugen Vorgehen können diese Signale eine auf Fundamentaldaten und Bewertung gestützte Anlagethese jedoch ausgezeichnet bestätigen.

Insider-Transaktionen

Insider-Transaktionen sind im Hinblick auf die künftige fundamentale Entwicklung vermutlich das aussagekräftigste Signal – und deutlich zuverlässiger, als blind dem «Smart Money» zu folgen. Die Informationsasymmetrie an den Finanzmärkten ist offensichtlich, entsprechend verfolgen Investoren die Transaktionen von Insidern naturgemäss aufmerksam. Mehrere Studien zeigen, dass Verkäufe von Insidern nicht zwangsläufig eine Verschlechterung der künftigen Entwicklung ankündigen; teilweise müssen Insider einfach Liquidität schaffen oder ihre Optionen ausüben. Verkauft ein Insider jedoch einen grossen Teil seiner bestehenden Position, ist dies in der Regel ein negatives Signal¹. Interessanterweise gingen kleinere Verkäufe mit deutlich positiven nachfolgenden Renditen einher.

Abbildung 1. Insiderkäufe als positives Handelssignal

Aktienkäufe durch Mitglieder der Geschäftsleitung sind zwar selten, in der Regel aber ein positives Signal mit vergleichsweise hoher Aussagekraft, wie Abbildung 1 zeigt. Eine norwegische Studie kommt zum Ergebnis, dass Führungskräfte unterhalb der obersten Managementebene mit Käufen von Aktien des eigenen Unternehmens Überrenditen erzielen: +84 Basispunkte nach einem Monat und +426 Basispunkte nach sechs Monaten². Dennoch sollten Investoren vorsichtig bleiben und eigene Analysen anstellen, denn auch CEOs können sich irren oder sie wollen mit einem Kauf lediglich ihr Vertrauen und ihre Loyalität gegenüber dem Unternehmen zeigen. So kaufte der damalige Netflix CEO Aktien, nachdem das Abonnentenwachstum im Januar 2022 enttäuscht hatte; die Aktie blieb anschliessend weiter unter Druck. Ähnlich verhielt es sich bei Nike: Mitglieder des Verwaltungsrats, darunter der bekannte Apple-Manager Tim Cook, sowie der CEO kauften gegen Ende 2025 Aktien, doch das Unternehmen kämpfte weiterhin mit erheblichen strukturellen Herausforderungen.

Grosse institutionelle Investoren

Nicht jeder institutionelle Investor lässt sich als «Smart Money» einordnen. Blind deren Transaktionen zu folgen, bringt daher wenig, denn die Aussagekraft für Überrenditen ist insgesamt begrenzt. Neue akademische Forschung zeigt allerdings, dass einzelne Formen institutioneller Aktivität durchaus eine bedeutsame Prognosekraft für künftige Überrenditen aufweisen.

Kirk zeigt, dass ein institutioneller Anteilsbesitz, der über dem aufgrund vordefinierter Unternehmensmerkmale erwarteten Niveau liegt, auf starke Fundamentaldaten und Kursmomentum hindeuten kann³. Koch findet Hinweise darauf, dass es sich generell nicht lohnt, Anlagefonds blind zu folgen. Die Aufmerksamkeit sollte stattdessen den «Leader»-Fonds gelten. Jenen Investoren, die zuerst handeln und deren Transaktionen anschliessend von den übrigen Fonds nachgeahmt werden⁴.

Eine weitere Studie zeigt, dass extreme Zu- oder Abnahmen des institutionellen Anteilsbesitzes Überrenditen im Umfeld von Ergebnisveröffentlichungen prognostizieren,⁵. Besonders stark ist dieser Effekt, wenn die Veränderung von einer kleinen Zahl institutioneller Investoren mit überproportional grossen Transaktionen ausgeht. Ein treffendes Beispiel fand sich kürzlich bei der Auswertung der 13-F-Filings für die Neuzugänge und Abgänge im zweiten Quartal 2026: Veeva, ein US-Softwareunternehmen für die Gesundheitsbranche, in dem wir bereits zuvor eine Position aufgebaut hatten. Veeva rangierte auf Platz 6 der Liste der neuen institutionellen Käufe. Anschliessend veröffentlichte das Unternehmen ausgezeichnete Zahlen für das zweite Quartal, worauf der Aktienkurs um 15% zulegte. Institutionelle Kapitalflüsse können also informativ sein. «Die Institutionellen kaufen» ist als Signal allerdings zu unspezifisch. Die akademische Evidenz legt nahe, dass die höchste Aussagekraft von einer aussergewöhnlichen Akkumulation durch eine kleine Zahl erfahrener Investoren ausgeht, insbesondere wenn ein versierter institutioneller Anleger eine neue, bedeutende Position aufbaut oder eine bestehende deutlich ausbaut.

Politiker als Trader

Besonders populär wurde das Nachahmen politischer Börsengeschäfte nach dem breit publizierten Fall von Nancy Pelosi, die Nvidia-Aktien vor günstigen Entwicklungen rund um den CHIPS Act kaufte. Das Bild ist jedoch weniger eindeutig: Insgesamt fällt die Prognosekraft politischer Transaktionen deutlich geringer aus als jene von Insidern und erfahrenen institutionellen Investoren. Die Devise «Follow the Congress» dürfte kaum zu Überrenditen führen, denn die Transaktionen von Kongressmitgliedern gleichen eher uninformiertem Retail-Handel als informiertem Handel⁶. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Politiker, die in einschlägigen Ausschüssen sitzen und dort bestimmte Rechtsfragen überwachen oder für branchenspezifische Gesetzgebung verantwortlich sind, höhere Renditen erzielen können. Ein bekanntes Beispiel ist Kelly Loeffler: Nach einem vertraulichen Briefing zur Entwicklung von COVID-19 verkaufte sie Reiseaktien und kaufte Citrix – einen extremen Profiteur der Homeoffice-Ära.

Bedeutung für langfristig orientierte Investoren

Fasst man die Handelssignale einflussreicher Akteure (Insider, institutionelle Investoren und Politiker) auf Basis der akademischen Forschung zusammen, so lässt sich festhalten: Eine Reihe dieser Signale weist eine vergleichsweise hohe Aussagekraft auf, wobei Insider-Transaktionen in der Regel zuverlässigere Hinweise liefern als institutionelle oder politische Geschäfte.

Tabelle 1. Handelssignale mit der höchsten Aussagekraft (Quelle: KI auf Basis akademischer Forschung)

Ein positives Handelssignal allein begründet noch keine Anlagethese für eine langfristige Position, es gibt Fälle, in denen sich selbst CEOs geirrt haben. Solche Signale können eine auf Fundamentaldaten und Bewertung gestützte Anlagethese jedoch wertvoll bestätigen. Ein negatives Signal sollte dagegen alle Alarmglocken läuten lassen und Investoren dazu veranlassen zu prüfen, ob eine negative Entwicklung übersehen wurde. Das Ziel ist nicht, dem «Smart Money» blind zu folgen, sondern diese Signale als zusätzliche Informationsquelle bei der Überprüfung einer Anlagethese zu nutzen.

 References

  1. Scott, J., & Xu, P. (2004). Some insider sales are positive signals. Financial Analysts Journal, 60(3), 44-51.
  2. Hvide, H. K., & Nielsen, K. M. (2026). Flying below the radar: Insider trading by executives below the top. Journal of Financial Economics, 181, 104282.
  3. Kirk, M. (2026). Abnormal Institutional Ownership and Expected Returns. Journal of Accounting, Auditing & Finance, 41(2), 524-546.
  4. Koch, A. (2017). Herd behavior and mutual fund performance. Management Science, 63(11), 3849-3873.
  5. Ali, A., Durtschi, C., Lev, B., & Trombley, M. (2004). Changes in institutional ownership and subsequent earnings announcement abnormal returns. Journal of Accounting, Auditing & Finance, 19(3), 221-248.
  6. Chen, H., & Sacerdote, B. (2026). Capital in the Capitol: Congressional Trades Resemble Uninformed Retail Trading (No. w35041). National Bureau of Economic Research.

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