Unternehmerische Qualität ist eine klar definierte Eigenschaft

01/12/14

DIE STIFTUNG: Herr Föllmi, wie würden Sie den grundlegenden Investment-Ansatz der CEAMS beschreiben?

Diego Föllmi: Investment-Ansatz baut auf der Überzeugung auf, dass wir in allen Märkten und zu jeder Zeit attraktiv bewertete Qualitätsfirmen finden können und dass diese attraktive Investments darstellen.

Ziel ist es daher, über einen mittel- bis langfristigen Zeithorizont eine risikoadjustierte Outperformance gegenüber den Benchmarks zu erzielen, indem wir systematisch und diszipliniert in attraktiv bewertete Qualitätsfirmen investieren.

DIE STIFTUNG: Wie definieren Sie denn Qualitätsfirmen und wie sieben Sie ihre Kandidaten aus?

Föllmi: Qualitätsunternehmen sind solide und konservativ finanziert, setzen das Kapital hoch profitabel ein, erzielen wiederkehrende, verlässliche Gewinne aus Ihrem Kerngeschäft, bedienen attraktive und aussichtsreiche Märkte mit erprobten Geschäftsmodellen und verfügen über ein starkes Management. Die Qualitäts- und Bewertungskategorien orientieren sich an einem klar definierten, standardisierten und für alle Unternehmen gleichermaßen gültigen Set von Kriterien. Neben der Finanzkraft beurteilen und bewerten wir das Geschäftsmodell, die Unternehmensstruktur, die Unternehmensführung, das Marktumfeld, in welchem sich das Unternehmen bewegt, die Positionierung des Unternehmens sowie dessen Aktienpreis.

DIE STIFTUNG: Zur Bewertung sind Sie aber auch auf Daten angewiesen, die von den Unternehmen oder Dritten zur Verfügung gestellt werden.

Föllmi: Unternehmerische Qualität ist keine schwer greifbare, abstrakte Größe sondern eine klar definierte Eigenschaft, die erfassbar und damit auch messbar ist. Die CEAMS hat basierend auf ihrer langjährigen Erfahrung diverse Instrumente entwickelt, um die Qualität eines Unternehmens zu messen. Wir machen eine systematische Analyse des Zahlengerüstes mit dem CEAMS Financial Conditions Check (FCC). Darin werden verschiedene Kriterien berechnet und analysiert, um die Qualität der Bilanz, die Qualität der Erträge und die Qualität der Cash Flows zu bestimmen. Jedes Kriterium wird sowohl in absoluten Zahlen, in Relation zum Gesamtunternehmen, aber auch im Zusammenhang mit den Sektor- und Marktdurchschnitten betrachtet und ausgewertet. Die Daten stammen letztendlich immer von der Firma selber (Geschäftsbericht, Unternehmensnachrichten etc.).

DIE STIFTUNG: Können Sie Ergebnisse dieses Selektionsprozesses berichten?

Föllmi: Im Rahmen des Projektes zum Corporate Excellence Award wurden unter den größten rund 1.500 Börsenunternehmen Europas die 100 Besten ermittelt. Firmen wie beispielsweise Rational, Fielmann, Hermes, Société BIC, Novo Nordisk kamen unter die jeweils Landesbesten. Die Analyse ergab, dass sich Qualitätsunternehmen überdurchschnittlich im Konsumgüterbereich finden lassen. Weitere Ergebnisse zeigen, dass die qualitativ besten Unternehmen durchaus Merkmale teilen. So gibt es unter ihnen keine Gemischtwarenläden, alle fokussierten sich auf einen einzigen Industriezweig, sie wachsen in erster Linie aus eigener Kraft und nicht durch Akquisitionen, sie haben einen Konzernchef mit angemessener Ausbildung und Erfahrung, sind selten in stark regulierten Wirtschaftsbereichen tätig und verfügen meist über eine gesonderte Berichterstattung zur sozialen Verantwortung des Unternehmens. Unsere Erfahrung zeigt auch, dass Gesellschaften, die einen starken Familien-, Eigentümer- oder Gründerbezug haben, ihr Kapital besonders effizient einsetzen.

DIE STIFTUNG: Warum passt dieser Ansatz Ihrer Meinung nach besonders gut zu Stiftungen?

Föllmi: Fragen der Ethik, der Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Aspekte spielen bei Stiftungen eine besondere Rolle. Nachhaltigkeit und Verantwortung im Sinne des Stiftungszwecks werden neben Renditezielen, Sicherheits- und Liquiditätsaspekten in der Regel als zusätzliche Kriterien bei Geldanlagen verstanden. Investitionen nach dem Quality Prinzip verfügen über einen innewohnenden Mechanismus, der zunächst vor allem eine betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit sicherstellt. CEAMS hat die Erfahrung gemacht, dass dies Kern und Voraussetzung auch für ethisch nachhaltiges Handeln eines Unternehmens ist. Wer in sich selbst nicht nachhaltig wirtschaftet, kann nicht nachhaltig für das System wirken. Zusätzlich werden aus Überzeugung keine Investitionen in Unternehmen getätigt, die ihren Umsatz mit Rüstungsgütern, Erotik oder Glücksspiel erwirtschaften. Qualitätsunternehmen sind dank ihrer finanziellen Stärke in der Lage, auch ökologische, soziale und ethische Qualitätsziele zu erfüllen. Über Investitionen in Quality Unternehmen können Stiftungen also bei Ihren Kapitalanlagen neben ihren Renditezielen auch ihren gesellschaftlichen Aufgaben gerecht werden und verantwortungsvoll investieren.

DIE STIFTUNG: Wie setzen Sie denn die Erkenntnisse aus den Screenings in ein Portfolio um?

Föllmi: Die CEAMS segmentiert monatlich die Investment-Universen und selektiert anhand eines zweistufigen Prozesses die attraktiv bewerteten Quality Unternehmen. Kauf- und Verkaufsentscheidungen basieren ausschließlich auf der Erfüllung oder eben Nichterfüllung unserer Qualitäts- und Bewertungskriterien. Der erste Schritt des CEAMS Investmentprozesses erfolgt quantitativ basierend auf wirtschaftlichen Fundamentalfaktoren (Bottom-Up) und unabhängig von Ländern, Sektoren & Kapitalisierung (Best-Overall). Der zweite Schritt beinhaltet eine detaillierte Prüfung aller Unternehmen, die den ersten Schritt „überstanden“ haben, nach klar definierten Qualitäts- und Bewertungskriterien durch unsere Analysten.

DIE STIFTUNG: Warum Best-Overall?

Föllmi: CEAMS verfolgt einen Best-Overall Ansatz, weil der Best-in-Class Ansatz die Qualität eines Sektors nicht hinterfragt und der Tatsache, dass Sektoren strukturellen Änderungen unterliegen, zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Wir beurteilen jede Firma nach den gleichen Qualitäts- und Bewertungskriterien und machen keine Abstriche zwischen den verschiedenen Sektoren. Der erste Schritt im Investmentprozess erlaubt es, ca. 90% der Firmen in dem Investment-Universum auszusortieren und schafft damit die Grundlage für den zweiten Schritt, den Extended Quality & Valuation Check, den CEAMS nur auf attraktiv bewertete Qualitätsfirmen anwendet. Im zweiten Schritt wird das vollständige Kriterien-Set durch unsere Analysten angewendet, um Kandidaten für die Quality Portfolios zu ermitteln. Dabei werden proprietäre Instrumente benutzt. So werden zur Ermittlung der Finanzkraft eines Unternehmens beispielsweise die Instrumente Financial Conditions Check (FCC), Momentum Check und Earnings Quality Check angewendet. Hier geht es vor allem darum, betriebswirtschaftlich relevante Zusammenhänge herzustellen und sich nicht auf isolierte Zahlenwerte zu fixieren.

DIE STIFTUNG: Wie sieht ein Quality-Portfolio konkret aus?

Föllmi: Die Portfolios der CEAMS sind im Vergleich zur Benchmark konzentriert. Dies bedeutet, dass wir aus einem Universum von ca. 500 Titeln, zum Beispiel des S&P 500 in den USA, lediglich in 20-40 Titel investiert sind. Die Portfolios sind konzentriert, weil dies einen Mehrwert bringt. Ein „Quality at Attractive Valuation Portfolio“ mit weniger strengen Kriterien und 50 bis 70 Aktien hätte einen deutlich weniger vorteilhaften Performancecharakter. Das Portfolio wird aktiv gemanagt und ist in der Regel gleichgewichtet. Eine Abweichung von dieser Konstruktionslogik erfolgt dann, wenn die Titel eines Quality Unternehmens zu wenig Liquidität aufweisen. Für diesen Fall werden halbe Portionen gehalten.

DIE STIFTUNG: Diversifikation gilt ja sonst als Königsweg der Risikominimierung. Ist solch ein komprimiertes Portfolio für Stiftungen nicht zu riskant? Wie hoch kann der Anteil in einem Stiftungsportfolio sein?

Föllmi: Diversifikation ist wichtig. Dass gilt auch in unseren Portfolios, in denen der Quality Investmentansatz eine breite Diversifikation auf Sektorenebene und in regionalen Portfolios auch auf Länderebene bietet. Ausschließlich auf die Anzahl von Titel zu setzen ist aber nur eine Seite der Medaille zumal akademische Studien zeigen, dass der Grenznutzen der Diversifikation ab 30 Titel wieder abnimmt. Neben der Anzahl der Titel ist es in Bezug auf die Risikominimierung aber auch imperativ auf die Qualität und die Bewertung der Unternehmen, in die investiert werden soll, zu achten. Dies können wir garantieren und sind überzeugt, dass wir für Stiftungen damit passende Anlage-Lösungen bieten können. Über die Höhe von Quality Investitionen lässt sich keine generelle Aussagen machen. Wir sind überzeugt, dass Quality Investitionen eine Kernanlage in jedem Portfolio sein soll. Der Anteil hängt aber von den Bedürfnissen und Rahmenbedingungen jeder Stiftung ab. Wir bieten keine 0815-Produkte sondern maßgeschneiderte Lösungen und partnerschaftliche Beratung.

DIE STIFTUNG: Angesichts des Niedrigzinsumfeldes: Wie sieht Ihr „Musterdepot“ für eine kleine (bis 2,5 Mio. EUR Anlagesumme) und eine mittelgroße Stiftung aus?

Föllmi: Wie vorhin erwähnt, arbeiten wir nicht mit Lösungen ab der Stange. Aus diesem Grund kann ich Ihnen auch kein Musterportfolio anbieten. Wenn es die Umstände der Stiftung erlaubt, in Aktien zu investieren, so würden wir sicherlich einen Quality Anteil empfehlen. Der Quality Anteil kann entweder regional, d.h. Schweiz, Europa, USA, Emerging Markets etc., oder global aufgebaut werden. Die Titel in den regionalen und globalen Portfolios sind bei allen Kunden gleich. Die Gewichtung der Regionen, Referenzwährung etc. kann aber letztendlich durch den Kunden bestimmt werden. Auch können wir je nach Kundenbedürfnissen Hedging-Lösungen, sei es auf der Währungs- oder Marktrisikoseite, anbieten.

DIE STIFTUNG: Herr Föllmi, vielen Dank für das interessante Interview.

Das Interview führte Stefan Preuß.

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