Oktober-Ausverkauf – Ist der Bär erwacht?

16/11/18

Ausverkauf vom Oktober 2018 im Einklang mit der Oktober-Effekt-Statistik

Oktober 1907, 1929 und 1987 sind bekannt für die drastischen Ausverkäufe an der Börse, die sogar zu psychologischem Druck (wenn auch nicht durch statistische Daten gestützt) für negative Erwartungen im Oktober geführt haben. Man nennt dies den „Oktober-Effekt“.

Der Oktober dieses Jahres hatte den negativen Ruf des zehnten Monats gestärkt. Es wurden mehrere Gründe genannt, um den Marktrückgang im Oktober zu erklären: weltweit sinkende BIP-Wachstumsrate, steigende Zinsen in den USA, überbewerteter Technologiesektor ohne grössere Korrektur seit langem. Die weltweiten Aktienindizes in den USA und der EU enttäuschten die Bulleninvestoren mit einem Rückgang von 5% bzw. jeweils 6,9% (Abb. 1), während in den Emerging Markets nach wie vor viel Kapital abgezogen wurde. Die Emerging Markets waren bereits zuvor auf dem niedrigsten Bewertungsniveau seit Jahresbeginn.

Abb. 1: Stil-Indizes Performance YTD und Oktober 2018

Quelle: Hérens Quality Asset Management, MSCI

Was die Stilindizes angeht, so zählten wenig überraschend Growth-Unternehmen zu den grössten Verlierer. Besonders starke Verluste waren im IT-Sektor zu verzeichnen, obwohl sie auf YTD-Basis ihre Outperformance beibehalten konnten. Grosse Aufmerksamkeit galt den FAANG-Aktien, die ein Gewicht von 13% im S&P 500 und 11% im MSCI USA hatten. Insgesamt sanken sie im Oktober um 12% (Abb. 2).

Abb. 2: Performance der FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix,
Google) im Vergleich zum S&P 500

Quelle: Hérens Quality Asset Management

Unternehmensgewinne auf dem Prüfstand

Wenn höhere Marktvolatilität mit der Berichtssaison zusammenfallen, neigen die Anleger auf die gemeldeten Ergebnisse und insbesondere auf die Änderung der Prognose zu Überreaktionen, obwohl sie sich möglicherweise nur unwesentlich änderten. Daher war es im Oktober dieses Jahres kein seltener Anblick, wenn ein Unternehmen an einem Tag einen Kursrückgang von 20% und mehr hinnehmen musste. Wir haben die Stimmung und die Botschaft analysiert, die bei den Gewinnveröffentlichungen der S&P 500-Unternehmen vermittelt wurden, um zu verstehen, ob das Management der Unternehmen bezüglich den aktuellen und zukünftigen Gewinnen eher negativ ist. Abb. 3 zeigt, dass sich die Stimmung insgesamt weiter verbessert hat und offensichtlich auf einem deutlich besseren Niveau liegt, als man es noch vor vier Jahre beobachten konnte. Es wird jedoch auch deutlich, dass sich das Momentum verlangsamt hat.

Offensichtlich werden die Manager angesichts der Abkühlung des globalen Wirtschaftswachstums und der Spannungen rund um die Zolltarife vorsichtiger. Und so sind es auch die Analysten.

Abb. 3: Ergebniskommunikation: Stimmung und Momentum

Quelle: Hérens Quality Asset Management, Astutex ©

Sowohl in den USA als auch in Europa haben mehr als die Hälfte der Unternehmen, die im 3. Quartal 2018 ihre Ergebnisse vorlegten, die Gewinnschätzungen übertroffen: 57% der Unternehmen in Europa hatten ein um 8% höheres Ergebnis als vorausgesagt und 81% der US-amerikanischen Unternehmen wiesen einen um 4,6% höheren Ertrag je Aktie als erwartet aus (Abb.4).

Abb. 4: Unternehmensgewinne vs. Analysten-Erwartungen und Prognoserevisionen

Quelle: Hérens Quality Asset Management, Reuters

Diese guten Ergebnisse konnten jedoch nicht wirklich dazu beitragen, den Pessimismus an den Märkten zu überwinden, da die Analysten für die große Mehrheit der Unternehmen (72% in Europa und 66% in den USA) für das nächste Quartal ein geringeres Gewinnwachstum prognostizieren. Dabei wurde als Grund insbesondere die grössere Unsicherheit bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genannt, die durch die Handelsspannungen zwischen den USA und China entstanden sind. Diese Spannungen haben den Welthandel zwar noch nicht wesentlich beeinträchtigt, aber doch die Unternehmen dazu veranlasst, Kapitalinvestitionen und Entwicklungspläne zu überdenken.

In solch einem unsicheren Umfeld erwiesen sich Quality-Aktien erneut als weniger anfällig für Marktschwankungen, da die gemeldeten Ergebnisse besser waren und die Revisionen nach unten im Vergleich zur Benchmark weniger hoch waren: 66% der Quality-Aktien in der EU berichteten ein EPS über dem geschätzten EPS, 85% in den USA; In beiden Regionen wurden die EPS-Prognosen für 62% der Quality-Unternehmen gesenkt – weniger als für den Markt.

Vorübergehender Sturz oder längerfrister Rückgang?

Wir glauben, dass der weltweite Ausverkauf im Oktober eher ein kurzfristiges Phänomen ist und die Korrektur, die den Technologie-Sektor besonders stark traf (die Outperformance war auch durch den beispiellosen Wettbewerbsvorteil gerechtfertigt, der durch den Zugang zu einer enormen Anzahl von Nutzern und Informationen über Verbraucher-Verhalten erlangt wurde), kann als eine „gesunde“ Korrektur betrachtet werden. Wir sehen nach wie vor eine fundamental starke US-Wirtschaft mit guten Wirtschaftsindikatoren, die gegenüber dem Vorjahr um 6% gestiegen sind und eine rekordniedrige Arbeitslosigkeit aufweisen.

Es ist jedoch auch offensichtlich, dass aus folgenden Gründen nach wie vor Risiken für Kursrückschläge bestehen:

  • Anhaltender US-Zinsanstieg bei nachlassender USD-Liquidität;

  • Einbruch der Schwellenmärkte;

  • Fortsetzung des Zolltarif-Kriegs zwischen China und den USA (trotz der Erwartung, dass die USA diesbezüglich pragmatisch handeln werden)

  • Politische Turbulenzen aufgrund des Populismus in Europa

 

MONTHLY TOPIC: OKTOBER-AUSVERKAUF

 

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