Hérens Quality Flash Insights aus Japan

26/03/18

Anfang März war zu früh für Sakura Kirschblüten, aber die Ume (japanischer Pflaumenbaum) waren bereits sehr schön. Herzliche Gastfreundschaft und Tradition ziehen Menschen an.
(Quelle: Makiko Zuercher-Hosaka)
 

Japanische Unternehmen profitieren vom besten Wirtschaftsumfeld seit Jahrzehnten. Die Unternehmensführer sind bezüglich der Wachstumsaussichten zuversichtlich. Der angespannte Arbeitsmarkt könnte endlich zur lang erwarteten Inflation führen. Der jüngste Regierungsskandal wirkt sich zwar negativ aus, die Unternehmen in unserem Portfolio sollten jedoch davon nicht gross beeinflusst werden.

Solide Grundlagen
Das Wirtschaftsumfeld scheint so positiv zu sein wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die japanischen Unternehmen verzeichnen aufgrund der synchronisierten und investitionsgetriebenen globalen Wirtschaftsexpansion ein starkes Umsatzwachstum. Verglichen mit meinem letzten Besuch Anfang Dezember des letzten Jahres ist die Anzahl der Unternehmen, die positive Kommentare und einen guten Ausblick präsentierten, deutlich gestiegen.
 
Beliebte Sehenswürdigkeiten, Einkaufsstrassen und Restaurants waren voll mit Touristen aus Übersee. Japanische Waren und Dienstleistungen sind zu beliebten Produkten geworden, insbesondere bei stark zunehmenden asiatischen Verbrauchern aus der Mittelschicht. Asiatische Touristen sind in der Regel gut informiert darüber, was zu tun und was zu kaufen ist. Sie geben Geld aus für Lebensmittel, Kosmetika, Modeartikel, Haushaltsgeräte usw. und essen in den beliebtesten Restaurants. Die Zahl der chinesischen Besucher während der Kirschblütenzeit Ende März wird in diesem Jahr voraussichtlich um 60% anwachsen. Während der Binnenkonsum nach wie vor schwach ist, scheint die Inbound-Nachfrage weiterhin stark zu sein und dürfte das Umsatzwachstum japanischer Marken wie Shiseido, Kose, Kao, Panasonic, Sony, Uniqlo, Muji usw. unterstützen.
Der angespannte Arbeitsmarkt könnte zu Inflation Auftrieb geben
Der Arbeitskräftemangel wird immer akuter und Unternehmen sind jetzt (endlich!) gezwungen, die Löhne zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Einige planen Erhöhungen von bis zu 10% und investieren in die Verbesserung ihrer Arbeitsumgebung, um junge Mitarbeiter anzuziehen und zu halten. Es scheint, dass die japanische Wirtschaft, die seit 2013 durch eine aggressive monetäre Expansion und fiskalische Ausgaben stimuliert wurde, endlich den Beginn der nächsten Ausbaustufe erreicht hat. Steigende Löhne können den Binnenkonsum anregen, und höhere Fixkosten auf Unternehmensebene sollten sich auf die Preise auswirken, was Druck auf das Preisniveau ausüben wird. In einer solchen Situation werden jedoch Unternehmen, die rohstoffähnliche Produkte (ohne Preisgestaltungsmacht) produzieren, unter sinkenden Gewinnmargen leiden. Wir konzentrieren uns deshalb auf gut geführte Unternehmen mit global wettbewerbsfähigen Produkten.
 
Automatisierung ist immer noch ein attraktives Anlagethema
Der angespannte Arbeitsmarkt schafft neue Nachfrage nach Automatisierung. Keyence ist ein führender Elektronikhersteller, der Sensorlösungen (für die Produktionsautomatisierung anbietet. Der Nettogewinn stieg in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres 2017 um 40% gegenüber dem Vorjahr, gestützt durch eine starke weltweite Nachfrage einschliesslich Japan. Die Nachfrage nach modernen Büros an zentraler Lage nimmt zu, da Unternehmen versuchen, durch ein ansprechendes Arbeitsklima qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Alle Immobiliengesellschaften, die ich traf, beabsichtigten angesichts der starken Nachfrage nach ihren neu errichteten Büros, die Büromiete zu erhöhen.
 
Die Internationale Robotik-Föderation schätzt, dass globale Roboteranlagen bis 2020 um 15% CAGR wachsen.
 
Globale Industrieroboteranlagen, in Tausend Einheiten.
 
Quelle: IFR, “World Robotics 2017 Industrial Robots”
 
Der jüngste Regierungsskandal hat den JPY gestärkt
Der jüngste Skandal um den verdächtigen Verkauf staatlicher Ländereien im Jahr 2016, bei welchem Premierminister Abe und Finanzminister Aso mitbeteiligt waren, hat der mächtigen Abe-Regierung geschadet. Gouverneur der Bank of Japan, Kuroda, ein Verbündeter die Wahrscheinlichkeit, dass Abe die Wiederwahl im September 2018 als Chef der regierenden Liberaldemokratischen Partei und damit auch Premierminister verliert, hat zugenommen.
 
Eine Normalisierung der Geldpolitik ist gut für Japan
Der Markt überschätzt wahrscheinlich die negativen Auswirkungen, da jeder Nachfolger von Abe als Chef der LDP höchstwahrscheinlich die pro-Wachstums-Haltung der Partei nicht ändern wird. Die BoJ wäre nicht in der Lage, die Geldpolitik zu ändern ohne starke fundamentale Beweise, die diesen Schritt unterstützen. Das Wirtschaftswachstum in Japan ist seit über einem Jahrzehnt sehr gering.. Ein Übergang zu einem nachhaltigen Wachstumspfad mit einer normalisierten Geldpolitik ist mehr als willkommen. Die Geschäftsentwicklung der Unternehmen in unserem Portfolio sollte durch diese Anpassung nicht stark in Mitleidenschaft gezogen werden.
 
Japan ist kein exportorientiertes Land
Anleger, welche in Japan die einfache Strategie anwenden, zu kaufen, wenn der JPY schwach ist und zu verkaufen, wenn er stark ist, könnten die Abhängigkeit Japans von Export falsch einschätzen. Wie in der Grafik zu sehen ist, machen Japans Exporte nur 16% des BIP aus. Die Zahl ist viel niedriger als die 44% der Euro-Region oder zum Beispiel die 66% der Schweiz.
 
Exporte von Waren und Dienstleistungen in Prozent des BIP
 
Quelle: World Bank
 
Die Abwesenheit von langfristigen privaten Investoren
Zu guter Letzt habe ich Bitcoin Werbung in Zügen gesehen. Es wird gesagt, dass Japan das weltweit grösste Volumen von Bitcoins handelt.
Kryptowährungen wurden dank der Werbung im Fernsehen, in Zeitungen, Zeitschriften usw. sehr beliebt. Krypotwährungen werden in Japan erstaunlicherweise Aktien gleichgesetzt. Dies bestärkt mich in darin, dass in Japan eine dringende Notwendigkeit besteht, früh das Wissen über Investitionsthemen zu fördern. Japaner werden dafür kritisiert, den Grossteil ihres Haushaltsvermögens in bar zu halten. Dies ist aber nicht weiter erstaunlich, fehlt es doch an breitem grundlegenden Wissen zum Thema Investitionsanlagen und besser als die grundlose und unwissende Spekulation ist die Bargeldhaltung (zumal so lange die Inflation nicht drastisch ansteigt) allemal.
 
März 2018, Makiko Zuercher-Hosaka, CFA
 
HÉRENS QUALITY FLASH INSIGHTS AUS JAPAN
Züruck