Wenn Aktien, dann ist auf die Qualität zu achten

31/10/15

Im Gespräch mit Diego Föllmi (CEAMS CE Asset Management AG) über Investmentstrategien für Stiftungen

DIE STIFTUNG: Niedrige Zinsen werden allerorten als Problem für Stiftungen gesehen. Wie entkommen dem Stiftungen?

Diego Föllmi: Das Niedrigzinsumfeld ist für alle Investoren ein Problem, vor allem im festverzinslichen Bereich. Gerade Stiftungen haben aber den Vorteil, dass ihr regulatorisches Korsett noch nicht so eng ist wie z.B. bei Pensionskassen. Aus diesem Grund können Stiftungen einerseits Investitionen in Projekte, Institutionen oder Firmen tätigen, die ihrem Stiftungszweck entsprechen und somit nicht zwingend die Rendite an erster Stelle stehen muss. Andererseits besteht die Möglichkeit, mit einer auf die Bedürfnisse der Stiftung ausgerichteten Aktienstrategie höhere Renditechancen als bei festverzinslichen Instrumenten wahrzunehmen.

DIE STIFTUNG: Aktien sind per se DAS Stiftungsinvestment, oder nicht?

Föllmi: Die Investmentstrategie sollte immer die Bedürfnisse des Investors abdecken. Aus diesem Grund lässt sich diese Aussage nicht verallgemeinern. Von einer Aussensicht her bieten sich Aktien, sofern bei der Auswahl systematisch und fokussiert vorgegangen und auf die Qualität und die Bewertung der Firma geachtet wird, in der Tat als ein attraktiver Portfoliobaustein an.

DIE STIFTUNG: Welche Titel favorisieren Sie?

Föllmi: Wir favorisieren alle Titel, welche es in unseren attraktiv bewerteten Qualitätsportfolios „schaffen“. Denn alle diese Unternehmen erfüllen sämtliche unserer Qualitäts- und Bewertungskriterien. Deshalb kann ich keine Favoriten nennen, aber ein paar Beispiele aus unseren regionalen Portfolios aufzählen. In der Schweiz ist es z.B. der Sanitärdienstleiser Geberit, in Europa der britische Hersteller von Reinigungsprodukten und Haushaltswaren Reckitt Benckiser und in den USA das IT-Dienstleistungsunternehmen Cognizant. Allen diesen Firmen ist gemeinsam, dass sie eine hervorragende finanzielle Basis aufweisen, Produkte oder Dienstleistungen anbieten, mit denen sie einen Wettbewerbsvorteil besitzen, sowie über eine Managementstruktur verfügen, um diesen Wettbewerbsvorteil auch zukünftig verteidigen zu können. Darüber hinaus sind alle diese Unternehmen attraktiv bewertet.

DIE STIFTUNG: Verheisst Qualität auch mehr Stabilität im Stiftungsportfolio?

Föllmi: Es gibt auch in den Quality-Portfolios Veränderungen, da die Qualität bei Unternehmen sich verändert und die Bewertung sowieso. Aus diesem Grund ist eine regelmässige Überprüfung zwingend notwendig. Wenn die Stabilität aus Risiko sicht betrachtet wird, dann sind Quality- Aktien tendenziell leicht weniger volatil als die Benchmark und die Portfolios weisen ein Beta um die 1.0 auf. Quality ist aber keine „Low-Volatility oder Low- Beta“- Strategie. Was Qualitätsfirmen jedoch bieten, ist ein solides fundamentales Gerüst.

DIE STIFTUNG: Wie finde ich Qualität am Aktienmarkt?

Föllmi: Indem zuerst auf allgemeingültige betriebswirtschaftliche Regeln geachtet wird. Dabei muss zwingend das gesamte Finanzgerüst, sprich die Bilanz, die Erfolgsrechnung und die Geldflussrechnung und deren Zusammenhänge betrachtet werden. Nur so können die Verschuldung, die Kapitalintensität, die Kapitalkosten, die Profitabilität etc. analysiert und beurteilt werden. Wenn die „harten“ Faktoren stimmen, können das Management, das Geschäftsmodell und das Marktumfeld ebenfalls analysiert werden.

DIE STIFTUNG: Was ist das beste Argument pro Aktie?

Föllmi: Aktien bieten, neben direkten Eigenkapitalinvestitionen, die einzige Möglichkeit, in produktive und somit auch nachhaltig profitable Firmen zu investieren. Im aktuellen Zinsumfeld sind Aktien zudem aufgrund der Dividendenrenditen eine attrak tive Alternative zu anderen Finanzinstrumenten. Um diese Chance wahrnehmen zu können, ist eine sorgfältige Selektion entscheidend. Umso mehr als Stiftungen bezüglich Investitionen, sei es wegen Verpflichtungen, Stiftungszweck, Risikofähigkeit etc. individuelle Bedürfnisse haben.

Diego Föllmi hält einen Master of Arts in Banking & Finance der Universität Zürich. Er war bei der Credit Suisse im Private Banking und der Trading & Sales Division tätig, zuletzt als Projekt Manager für internationale Businessprojekte in der Asset Management Division. Bei CEAMS seit 2007 tätig, ist Föllmi Ansprechpartner für institutionelle Investoren wie Stiftungen.

Die Stiftung: Wenn Aktien, dann ist auf die Qualität zu achten

 

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